Noch ist nicht klar ob das Projekt eine UVP braucht © APA - Austria Presse Agentur

European Lithium, die australische Bergbaufirma, die den Lithiumabbau auf der Koralm anstrebt, wirbt zwar unbeirrt für das Projekt. Bis aber Erze auf kommerziellen Mengen aus dem Berg geholt werden können, wird es noch Jahre dauern. Unabhängig davon ist das Unternehmen einer Notierung an der US-Börse Nasdaq inzwischen ziemlich nahe gekommen. Ein Gericht in Australien gab grünes Licht für eine Eigentümerabstimmung dazu noch im Oktober.

European Lithium hat sich 2011 die Rechte an einem seit den 1980er-Jahren bekannten Lithium-Vorkommen in Kärnten gesichert. Schon vor 10 Jahren hätte die erste Förderung stattfinden sollen. Aber derzeit ist noch nicht einmal die Frage beantwortet, ob dafür eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nötig ist. Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) befasst sich gerade damit.

Rechtliches Verfahren zieht sich

Ursprünglich hatte die Kärntner Landesregierung entschieden, dass für den Lithium-Abbau auf der Koralm keine vertiefte Umweltprüfung nötig ist. Auf Einspruch von Umweltorganisationen aber auch des steirischen Umweltanwaltes und des Kärntner Umweltbeirates hat das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) eine neuerliche Prüfung der Landesregierung verlangt, ob tatsächlich auf die umfangreiche UVP verzichtet werden kann. Dagegen hat sich wiederum European Lithium heuer im Frühjahr an den Verwaltungsgerichtshof (VwGH) gewandt - der nun entscheiden muss, wie es weitergeht. Der Geschäftsführer von European Lithium, Dietrich Wanke, hofft auf den Herbst, das Gericht äußerte sich auf APA-Anfrage nicht zur Verfahrensdauer. Erfahrungen von Umweltorganisationen in vergleichbaren Fällen deuten auf eine Entscheidung erst 2027 hin.

Rechtlich steht der Lithiumabbau noch vor weiteren Hürden. Sollte die Kärntner Landesbehörde auch im zweiten Anlauf eine umfangreiche UVP für unnötig erklären, würde die Umweltorganisation Virus diese Entscheidung "mit hoher Wahrscheinlichkeit" wieder beeinspruchen, wie Virus-Experte Wolfgang Rehm zur APA sagte. Die Kritik richtet sich aber nicht nur dagegen, dass die Behörde in Kärnten zu wenig genau geprüft habe. Ganz grundsätzlich weisen die Umweltorganisationen Virus und Global 2000 darauf hin, dass aus ihrer Sicht die österreichischen Gesetze zur Prüfung eines neuen Bergbaues EU-Recht widersprechen. Selbst wenn ein Projekt nach heimischem Recht daher genehmigt würde, wäre es EU-widrig. Sie verlangen daher eine Überprüfung der heimischen Rechtslage durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH), was alleine schon in der Regel rund zwei Jahre dauert. Eine dementsprechende Vorabentscheidung könnte der VwGH anstoßen.

Aber selbst wenn die UVP-Frage rechtlich geklärt und allenfalls eine UVP durchgeführt worden ist, wird es noch Jahre dauern, bis tatsächlich Lithium abgebaut werden kann. Denn es fehlen für die Mine noch Betriebserrichtungs- und Abbaugenehmigungen, wie auch Wanke einräumt. Von den Plänen abbringen lassen will sich European Lithium dennoch nicht: "Wir führen das Projekt weiter, also auf jeden Fall", versicherte Wanke im September bei einer Minenbesichtigung mit Studenten der Montanuniversität Leoben und der Universität Innsbruck.

Verschmelzung mit Critical Metals schon im November möglich

Während die Vorbereitungen für den tatsächlichen Abbau eher schleppend vorankommen, läuft es für das European Lithium besser mit dem Plan, bis Ende 2026 mit der in den USA börsennotierten Firma Critical Metals zu verschmelzen. Ein australisches Gericht setzte für eine Abstimmung der Aktionäre über den Schritt den 22. Oktober als Termin, schon im November könnte der Zusammenschluss über die Bühne gehen. European Lithium hält derzeit rund 30 Prozent von Critical Metals, ist also in gewisser Weise die "Muttergesellschaft", wird aber nun in dem US-Börsenunternehmen aufgehen. Für das Lithium-Projekt auf der Koralm ändert das übrigens rechtlich nichts - es gehört bereits Critical Metals, auch wenn es auf der Homepage von European Lithium als "unser Projekt" beworben wird, und stellt gemeinsam mit dem Projekt "Tanbreez" zum Abbau von seltenen Erden in Grönland das Vermögen des US-Börsenunternehmens dar.

Abnahmevereinbarung mit BMW beendet

Bisher hat European Lithium gerne auf eine Vereinbarung mit BMW verwiesen, wonach der Autobauer eine langfristige Abnahmeverpflichtung für das erhoffte Lithium eingegangen ist. Diese Vereinbarung sei gekündigt und die Vorauszahlung von BMW sei rückerstattet worden, heißt es in dem am 30. September veröffentlichten Jahresbericht 2025/26 von European Lithium.