Der Krieg im Nahen Osten macht andere Ferndestinationen interessanter © APA - Austria Presse Agentur
Österreich steht bei den Deutschen als Urlaubsland nach wie vor hoch im Kurs - auch nach der hohen Inflation der vergangenen Jahre. "Das ist stabil - trotz allem, was in der Welt passiert, und trotz der Preissteigerungen - sie sparen lieber woanders als an der Reise an sich", sagte der Deutschland-Chef der Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung, Sören Kliemann, auf der Branchenleitmesse ITB in Berlin. Für massive Konkurrenz sorgen Destinationen am Mittelmeer.
"Diese Preissteigerungen waren eine Kröte, die die Leute bereit sind zu schlucken, auch wenn sie sich ärgern", sagte der Leiter des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT), Ulf Sonntag, am Mittwoch auf der weltgrößten Tourismusmesse. Immerhin hat sich Urlaub in Österreich seit Corona um etwa 25 Prozent verteuert. "Aber auch die Einkommen ziehen nach", relativierte Sonntag. Die Preise für Flugpauschalreisen ans Mittelmeer seien im selben Zeitraum sogar um über 40 Prozent gestiegen.
Deutsche Nachfrage passt
Doch 2025 "war beim Reiseverhalten ein insgesamt ruhigeres Fahrwasser, in dem wir uns nach den Corona- und inflationsgeprägten Jahren bewegten", berichtete Sonntag mit Blick auf die aktuelle Deutsche Reiseanalyse. "Wir können uns auf die deutsche Nachfrage insgesamt verlassen - wir haben Rekorde bei den Leuten, die reisen, und bei den Ausgaben."
2025 gehörte Österreich bei längeren Reisen (über fünf Tage) zu den weltweit Top-5-Auslandsdestinationen der Deutschen, nach Spanien, der Türkei, Italien und Griechenland - "mit einem leichten Plus gegenüber dem Vorjahr". "Es ist beachtlich, was Österreich da leistet, bei der starken Konkurrenz vom Mittelmeer", sagte der NIT-Chef.
Österreich behauptet sich als Alpenland
"Österreich ist das einzige Alpenland, das in den vergangenen Jahren ein substanzielles Plus bei den Haupturlaubsreisen ausweist - das schaffen die anderen Ziele mit einer ähnlichen Naturausstattung nicht", strich Sonntag hervor.
"Das klingt unspektakulär ist aber etwas Besonderes, wenn man die anderen Alpenziele ansieht", bekräftigte der Touristiker. Vor Corona sei Bayern der Platzhirsch bei den Deutschen gewesen. "Da ist jetzt die Schere zugunsten Österreichs aufgegangen."
Bei Kurztrips rangierte Österreich laut Deutscher Reiseanalyse unangefochten an erster Stelle - vor den Niederlanden, Frankreich, Italien und Polen.
Tirol am beliebtesten
Urlaub in Österreich machen die deutschen Gäste am liebsten in Tirol - auf das Bundesland entfielen im abgelaufenen Jahr 46 Prozent der hierzulande gebuchten deutschen Nächtigungen. Mit großem Abstand dahinter folgten Salzburg mit 20,9 Prozent und Vorarlberg mit 9,5 Prozent.
An Zusatzbuchungen im sicheren Österreich angesichts des am Wochenende aufgeflammten Nahostkonflikts infolge des Angriffs der USA und Israels auf den Iran glaubt Sonntag nicht: "Dass jetzt Österreich oder der Nahbereich davon profitieren, bleibt Kristallkugellesen". Es sei auch zu früh, da was zu sagen.
"Wir haben insgesamt 9 Prozent Fernreisen, davon geht ein Teil an den Golf, der Rest nach Asien", umriss er das deutsche Buchungsverhalten. Als Alternative werden sich die Deutschen seiner Meinung nach eine andere Destination in der Ferne suchen, wenn die ursprünglich gewählte wegfällt.