Die Wiener Börse würde eine Belebung des Aktienmarktes begrüßen © APA - Austria Presse Agentur

Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren hat sich zwischen 2017 und 2020 verdoppelt. Das Wissen darüber hinkt allerdings weiter hinterher, zeigt eine Umfrage von Peter Hajek im Auftrag des Aktienforums. Aktienforum und Industriellenvereinigung (IV) leiten daraus eine große Chance ab, den Aktienmarkt in Schwung zu bringen.

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sieht aktuell "erstmals wirklich die Möglichkeit, dem Kapitalmarkt in Österreich Schwung zu verleihen". Denn das gesteigerte Interesse der Menschen falle mit einem Regierungsprogramm zusammen, das "die wichtigsten Themen des Kapitalmarkts adressiert". Entscheidend sei aber, für mehr Wissen der Menschen über den Kapitalmarkt zu sorgen - durch Lehrplanänderungen, neue Schulbücher und eine bessere Ausbildung für Lehrer einerseits, andererseits durch Initiativen, um Menschen zu erreichen, die nicht mehr in die Schule gehen. Neumayer hofft, dass sich Österreich 2023 in diesem Bereich am Pisa-Test beteiligt, sodass es 2024 Ergebnisse geben könnte.

Außerdem forderte Neumayer, dass die Regierung ein Datum für die angekündigte Senkung der Körperschaftssteuer auf 21 Prozent bekannt gibt. Es gehe um Planungssicherheit.

Auch Robert Ottel, Präsident des Aktienforums, hofft, dass seine seit zehn Jahren unveränderten Forderungen nun tatsächlich umgesetzt werden. Darunter gehe es um langfristige Finanzbildung, das Bekenntnis zum Kapitalmarkt und den Abbau von Bürokratie. Ottel hofft auch, dass die Veröffentlichungspflicht in der Wiener Zeitung fällt, die alleine die ATX-Firmen jährlich 1,5 Mio. Euro koste. Stattdessen sollte wie in Deutschland ein elektronischer Bundesanzeiger vorgeschrieben werde. Ottel unterstützt auch nachdrücklich die Wieder-Einführung einer Spekulationsfrist, nach der Kursgewinne auf Aktien von der Kapitalertragssteuer befreit wären. Ottel ist für eine einjährige Frist, die Entscheidung über die Dauer sei aber noch nicht gefallen, so Neumayer.

25 Prozent der 814 Befragten sagten heuer im Jänner, sei wären "prinzipiell interessiert", Wertpapiere zu kaufen. 2017 waren es nur elf Prozent. Auch der Anteil der Unentschlossenen verdreifachte sich auf 14 Prozent. Gerade diese Gruppe sei besonders interessant für eine Förderung des Wertpapiermarktes, sagte Meinungsforscher Peter Hajek bei der Präsentation in Wien.

Das größte Hindernis, tatsächlich Wertpapiere zu kaufen, ist nach dieser Umfrage das gefühlte mangelhafte Wissen über den Kapitalmarkt. Dahinter folgt fehlendes Vermögen, danach dann verschiedene Formen der Angst vor Verlusten. Außerdem seien die Österreicher an die simple Geldanlage am Sparbuch gewohnt und haben das Gefühl, die Alternativen seien zu komplex, sagte Hajek.

Ottel und Neumayer sehen die verstärke Nutzung des Kapitalmarktes als Chance für die Österreicher, Vermögen aufzubauen und für die Pension vorzusorgen. Eine Steuerfreiheit für angesparte Vermögen bis 150.000 Euro wäre etwa nach internationalem Vorbild sinnvoll, so Ottel.

Wirtschaftskammer, Dachverband der Pensionskassen und Wiener Börse verwiesen am Mittwoch ebenfalls auf die Umfrage von Hajek. Die Wirtschaftskammer und die Pensionskassen heben hervor, dass 71 Prozent der Befragten eine staatliche Förderung der betrieblichen Altersvorsorge in Pensionskassen als sehr gute bzw. gute Idee ansehen. Sie verweisen auf ihre seit Jahren vorliegenden Vorschläge dazu. Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse, fordert angesichts der Umfrageergebnisse einmal mehr die Wiedereinführung einer Behaltefrist für Aktien, und eine bessere Grundlagenbildung zu Wirtschaft und Finanzen in den Lehrplänen.