Rohöl und Raffinerien trieben Preise in die Höhe © APA - Austria Presse Agentur
Der steile Anstieg der Treibstoffpreise im Frühjahr 2026 war im Wesentlichen auf internationale Faktoren zurückzuführen. Beim Diesel machten höhere Rohölpreise und gestiegene europäische Raffineriemargen 83 Prozent des Gesamtanstiegs von 53 Cent pro Liter aus. Das geht aus einem Studienentwurf des Instituts für Höhere Studien (IHS) hervor, der der APA vorliegt. Die Studie wurde im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellt.
In der Untersuchung spalten die Autoren die Preissprünge während der Krisenmonate März und April 2026 in ihre einzelnen Bestandteile auf. Beim Diesel verteuerte sich der Liter an der Zapfsäule um durchschnittlich 53 Cent. Davon entfielen 21 Cent auf den gestiegenen Rohölpreis der Sorte Brent und 23 Cent auf die Ausweitung der europäischen Brutto-Raffineriemarge, den sogenannten "Crack Spread". Beim Benzin lag der Anstieg bei 25 Cent pro Liter, wovon 20 Cent direkt durch den Rohölpreis verursacht wurden, während die Raffineriemarge kaum ins Gewicht fiel. Wie in dem Entwurf betont wird, bleibt die höhere Brutto-Raffineriemarge der Raffinerien den Mineralölkonzernen nicht als Reingewinn, weil daraus massiv gestiegene Betriebskosten für Energie, Strom, Personal und Instandhaltung gedeckt werden müssten.
Untersuchung über mehrere Zeiträume
Die Untersuchung erstreckt sich über mehrere Beobachtungszeiträume. Für die fundamentale ökonometrische Analyse der Preisweitergabe wertete das IHS wöchentliche Marktdaten von Jänner 2005 bis Februar 2026 aus. Ursprünglicher Ausgangspunkt der Studienbeauftragung im Februar 2026 waren auffällige Entwicklungen im Jahr 2025 - wie etwa rund um US-Zollankündigungen im April 2025, den "12-Tage-Krieg" im Juni 2025 oder das Jahresende 2025, als internationale Preisrückgänge nur verzögert an den Zapfsäulen ankamen. Die Analyse des Preisschocks im Frühjahr 2026 stellt wiederum die Spitze vom 1. bis 20. April 2026 dem Vorkrisenniveau vom 1. bis 20. Februar 2026 gegenüber. Diese Krisendaten zeigen den Zustand vor dem Greifen der von der Regierung Ende Mai 2026 beschlossenen "Preis-Runter-Garantie", die auf die "Spritpreisbremse" folgte.
"Rockets and Feathers" an Zapfsäulen
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Untersuchung der Preisweitergabe. Den Ökonomen zufolge reagieren die Preise auf der letzten Wertschöpfungsstufe - von der Raffinerie zur Tankstelle - asymmetrisch. Das heißt: Steigende Großhandelspreise werden von den Tankstellen rascher an die Konsumenten weitergegeben als sinkende Preise im Großhandel. Dieser Effekt, der in der Fachliteratur als "Rockets and Feathers" bezeichnet wird, ist aber keine österreichische Besonderheit. Statistische Auswertungen für Deutschland und Frankreich zeigen laut dem IHS-Entwurf ein sehr ähnliches Bild. Auf der vorgelagerten Stufe vom Rohöl zur Raffinerie sei die Anpassung hingegen umgekehrt gelaufen: Hier würden Preisrückgänge beim Rohöl kurzfristig stärker auf die Raffinerien durchschlagen als Preisanstiege.
Methodisch stützt sich das IHS auf Marktdaten wie die täglichen Medianwerte der Regulierungsbehörde E-Control und europäische Notierungen. Aussagen über die Bilanz- oder Gewinnstruktur einzelner Unternehmen wie der vertikal integrierten OMV - die Raffinerien und Tankstellen betreibt - erlaube das Datenmaterial nicht. Die Verkaufspreise orientierten sich jedoch auf allen Stufen an internationalen Benchmarknotierungen.
Als wirtschaftspolitische Konsequenz empfehlen die Forscher kein flächendeckendes Veröffentlichen aller Preise, sondern die Fortführung des Marktmonitorings, mehr Transparenz bei internationalen Großhandelsreferenzen sowie einen verbesserten Datenzugang für die unabhängige Forschung.