Regional große Unterschiede bei Firmenpleiten © APA - Austria Presse Agentur

Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Österreich ist in den ersten drei Quartalen gegenüber der gleichen Periode im Vorjahr 2025 leicht zurückgegangen. Eine Entwarnung wäre aus Sicht der Creditreform allerdings verfrüht, die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen sei weiterhin angespannt, hieß es am Mittwoch. Bei den Privatinsolvenzen gab es dagegen einen starken Anstieg. Viele Schuldner nutzten noch die schnellere Entschuldungsmöglichkeit, die Mitte Juli auslief.

Insgesamt wurden heuer in den ersten neun Monaten laut Creditreform knapp 7.900 Privatinsolvenzen registriert und damit um 12,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders stark stieg demnach die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren: Sie erhöhte sich um 13,3 Prozent auf rund 7.330 Verfahren. Das entspreche rund 42 Insolvenzverfahren pro Werktag.

Seit Mitte Juli gibt es die Entschuldungsmöglichkeit mit einer lediglich dreijährigen Rückzahlungsphase nicht mehr. "Das haben viele Schuldner zum Anlass genommen, noch schnell einen Insolvenzantrag einzubringen", schreibt die Creditreform. Demnach gab es im Juni 48 Prozent und im Juli 69 Prozent mehr Privatinsolvenzen als in den Vorjahresmonaten. Im September seien die Insolvenzanträge hingegen wieder um 24 Prozent zurückgegangen.

Leichter Rückgang bei Firmeninsolvenzen

Die Zahl der Firmenpleiten ging laut Creditreform in den ersten drei Quartalen 2026 um 0,8 Prozent zurück. In den ersten neun Monaten wurden insgesamt 5.115 Unternehmensinsolvenzen registriert. Davon wurden über 2.190 Fälle mangels Vermögens abgewiesen, was einem Zuwachs um 9,2 Prozent entspricht. "Die Unternehmen kämpfen mit hohen Kosten, einer nach wie vor verhaltenen Nachfrage und einem schwierigen internationalen Umfeld. Gerade für margenschwache Betriebe bleibt die finanzielle Widerstandsfähigkeit eine zentrale Herausforderung", so Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer.

Besonders die Bauwirtschaft und Gastronomie blieben unter Druck. Im Bauwesen gingen in den ersten neun Monaten insgesamt 666 Unternehmen pleite, damit stiegen die Fälle um 2,8 Prozent. Auch der Gastronomiebereich wies mit 620 Insolvenzen einen Anstieg von 5,3 Prozent auf.

Regional große Unterschiede

Regional zeigen sich große Unterschiede bei den Unternehmensinsolvenzen. Besonders stark stiegen die Firmenpleiten demnach in Vorarlberg (+48,6 Prozent), Kärnten (+14,0 Prozent) und der Steiermark (+13,4 Prozent). Deutliche Rückgänge verzeichneten hingegen Tirol (-33,4 Prozent), Salzburg (-14,8 Prozent), das Burgenland (-12,7 Prozent) sowie Wien und Oberösterreich mit jeweils -2,7 Prozent. Die Bundeshauptstadt wies mit 22,8 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen aber weiterhin die höchste Insolvenzquote auf.