++ ARCHIVBILD ++ Europa soll nicht zum Spielfeld ausländischer Mächte werden © APA - Austria Presse Agentur

Eine Gruppe von prominenten europäischen Wirtschaftswissenschaftlern, Politikern und KI-Experten hat eine Strategie vorgelegt, wie sich Europa im internationalen KI-Wettbewerb durchsetzen könnte. Die EU laufe aktuell Gefahr, "unwiderruflich von einer Handvoll ausländischer Regierungen und Einzelpersonen abhängig zu werden", warnte die Expertengruppe am Montag. Noch in diesem Jahr müsse daher "entschlossen gehandelt werden".

"Wir dürfen nicht zulassen, dass Europa zum Spielfeld ausländischer Mächte wird", erklärte Mitautorin Margrethe Vestager, ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin. "Unsere Bürgerinnen und Bürger spüren bereits heute die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Entscheidungen, die anderswo getroffen werden." Künstliche Intelligenz (KI) werde diese Entwicklung beschleunigen "und unser persönliches Leben, unsere Beziehungen, unser Lernen und unsere Arbeit in einem beispiellosen Tempo verändern". Regierungen überall in der EU nähmen KI aber nicht ernst genug oder konzentrierten sich auf andere Prioritäten.

Auch der französische Ökonom und Nobelpreisträger Philippe Aghion mahnte, es sei "unerlässlich", dass die gesamte Union ihre Anstrengungen "verzehnfacht". Es stehe außer Frage, "dass KI den Verlauf unser aller Zukunft bestimmen wird" - ob im öffentlichen Dienst oder in den Unternehmen, von denen unsere Beschäftigung abhängt."

Strategie mit mehr als 40 Empfehlungen

Die Expertengruppe listet in ihrer Strategie mehr als 40 Empfehlungen auf, die von den EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission aufgegriffen werden können, "damit Europa und seine Bürgerinnen und Bürger in einer Welt transformativer KI erfolgreich bestehen können".

Mitautorin Monika Schnitzer, Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsweisen, erklärte, Europa benötige bis 2030 für Datenzentren 45 Gigawatt an zusätzlicher Energie, "wenn es bei dieser kritischen Infrastruktur nicht von ausländischen Mächten abhängig sein will". Dafür seien Investitionen in der Größenordnung von 1,3 Billionen Euro erforderlich, "und europäische Unternehmen allein werden das nicht stemmen können". Deshalb müsse die EU mehr für Investitionen aus dem Ausland tun.

Zu den Empfehlungen der Experten gehört eine Allianz der Mitgliedstaaten, um sichere Lieferketten zu schaffen, "Spitzen-KI-Expertise und -Technologie" in die europäischen Institutionen zu holen, den Bau von KI-Rechenzentren zu erleichtern - gleichzeitig aber seine kritische Infrastruktur gegen Bedrohungen durch die KI zu "härten" und Europa zum globalen Marktführer bei Prüf- und Sicherheitstechnologie zu machen.

Am Wochenende waren die Warnungen vor den Risiken Künstlicher Intelligenz für die Menschheit lauter geworden. Der Chef des KI-Unternehmens Anthropic, Dario Amodei, rief einer Drosselung der Entwicklung von KI auf und erhielt Unterstützung vom Chef der Konkurrenzunternehmen OpenAI und xAI, Sam Altman und Elon Musk. Ein Sprecher von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte der Nachrichtenagentur AFP, einen Stopp der KI-Entwicklung in Europa sehe das Ministerium "kritisch und als nicht gangbaren Weg".