Regierungschef Li Keqiang © APA - Austria Presse Agentur

China will seine Wirtschaft rascher für ausländische Unternehmen und Investoren öffnen. Ministerpräsident Li Keqiang sagte am Dienstag beim World Economic Forum in der chinesischen Hafenstadt Dalian, die Deckelung von Beteiligungen ausländischer Firmen im chinesischen Finanzsektor solle schon 2020 und damit ein Jahr früher als bisher geplant gelockert werden.

Li nannte dazu die Bereiche Aktien- und Derivatehandel sowie Lebensversicherungen. In der Industrie, einschließlich der Autobranche, werde die Öffnung ebenfalls weitergehen. Die Hürden für den Einstieg in den Verkehrs- und Telekom-Sektor sollten im kommenden Jahr verringert werden. Am Sonntag hatte China die Zahl der Branchen, in denen ausländische Unternehmen nur eingeschränkt investieren dürfen, von 48 auf 40 gesenkt.

Die USA und auch die EU fordern von China seit längerem eine Lockerung der Beschränkungen für ausländische Firmen und einen gleichberechtigten Marktzugang. Dies ist auch Teil des von US-Präsident Donald Trump angefachten Handelsstreits mit China. Die Regierung in Peking hatte bereits im Mai eine weitere Öffnung für Banken und Versicherer zugesagt. Auflagen zur Gründung eigener Töchter und Filialen in China sollen abgebaut werden.

Die US-Investmentbank Morgan Stanley zeigte sich erfreut über die Ankündigungen. Man heiße jede Entscheidung aus China willkommen, die auf eine weitere Liberalisierung des Finanzsektors hinauslaufe. Ähnlich äußerte sich die Citigroup. Sie ist gerade dabei, ein Aktien-Gemeinschaftsunternehmen in China aufzubauen, an dem die US-Bank die Mehrheit hält. Morgan Stanley hat ähnliche Pläne.

Die Verhandlung über ein Handelsabkommen zwischen den USA und China bewegen sich nach US-Angaben wieder in eine positive Richtung. Die Gespräche seien "wieder auf Kurs", sagte Peter Navarro, Handelsberater von US-Präsident Donald Trump, am Dienstag im Fernsehsender CNBC. Beim Thema Huawei habe sich aber nichts daran geändert, dass Washington das chinesische Unternehmen als Bedrohung für die nationale Sicherheit einstufe.

Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping hatten am Rande des G-20-Gipfels in Japan nach Wochen des offenen Handelsstreits wieder versöhnliche Worte angeschlagen. "Wir reden wieder miteinander, wir telefonieren und es wird wahrscheinlich Besuche geben", sagte Navarro nun. "Alles läuft gut", auch wenn die Angelegenheit kompliziert bleibe.

Die USA haben China wegen des Handelsstreits mit zahlreichen Sonder-Zöllen überzogen, worauf die Volksrepublik mit ebensolchen Erhebungen reagierte. Der Konflikt belastet auch die Weltwirtschaft. Am Samstag dann hatten sich Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping auf eine Atempause in dem Streit verständigt. Trump hatte erklärt, er gehe davon aus, dass China und die USA "wieder auf Kurs" seien. Neue Sonderzölle solle es auf absehbare Zeit nicht geben.