++ HANDOUT ++ Die Haupttunnelröhren sind grenzüberschreitend miteinander verbunden © APA - Austria Presse Agentur

Beim Megaprojekt Brennerbasistunnel (BBT) kann ein weiterer Erfolg verbucht werden: Am Dienstag um 10.35 Uhr wurden die beiden Haupttunnelröhren unter der Staatsgrenze am Brenner durchbrochen und von Mineuren passiert. Somit sind Österreich und Italien erstmals über die Haupttunnel verbunden. Dies teilte die Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE am Dienstag mit. Mitte September 2025 war dort bereits der Durchschlag des Erkundungsstollens erfolgt.

Die Haupttunnelröhren des Bauloses "H53 Pfons-Brenner" schlossen an das Südtiroler Baulos "H61 Mauls 2-3" an, welches bereits fertiggestellt war. Seit März 2024 arbeitete man sich dort mittels Sprengvortrieb in Richtung Süden bis zur Staatsgrenze. Rund sechs bis acht Mitarbeiter waren im Vier-Schicht-Betrieb rund um die Uhr mit den Vortriebsarbeiten beschäftigt. Als besonders herausfordernd hätten sich das harte Zentralgneis-Gestein, Felstemperaturen von etwa 30 Grad Celsius sowie lange Transportwege erwiesen, so die Verantwortlichen. Der Zusammenschluss erfolgte etwa 1.400 Meter unter dem Brennerpass auf rund 794 Metern Seehöhe. Die Vergabesumme für den Abschnitt hatte sich auf 959 Mio. Euro belaufen.

"Mit der Zusammenführung der beiden Haupttunnelröhren erreicht der BBT ein weiteres, wichtiges Etappenziel. Dieser Erfolg zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn über Grenzen hinweg an einer gemeinsamen Aufgabe gearbeitet wird. Das Projekt trägt viele Namen, aber vor allem steht die Handschrift der Menschen, die ihn Tag für Tag gebaut haben", erklärten die Vorstände der BBT SE, Martin Gradnitzer und Umberto Lebruto.

LH Mattle: Durchbruch "klarer Auftrag an die Politik in Berlin und Brüssel"

Erfreut reagierte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) und nannte den Brennerbasistunnel eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Die Haupttunnelröhren würden nun "offiziell zwei Staaten und eine ganze Region" miteinander verbinden. Anlässlich des Durchbruchs richtete Mattle einen Appell an die politisch Verantwortlichen in Berlin und Brüssel. Der heutige Tag sei ein "klarer Auftrag" an diese, den Brennerbasistunnel "rasch umzusetzen und die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene zu unterstützen." "Der BBT wird die Mobilität in Mitteleuropa revolutionieren, wenn er aber seine entlastende Wirkung voll und ganz ausschöpfen soll, muss der Güterverkehr konsequent auf die Bahn umsteigen. Hierfür brauchen wir die notwendigen Zulaufkapazitäten, damit die vielen Züge auch das Tunnelportal erreichen und den BBT voll nützen können", betonte Mattle.

Ähnlich auch Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ). "Der Brennerbasistunnel und damit Europas größtes Infrastrukturprojekt wächst Meter für Meter zusammen - heute mit dem historischen Durchschlag der beiden Haupttunnelröhren zwischen Österreich und Italien", erklärte dieser gegenüber der APA. Wie Mattle verwies auch Zumtobel auf die Wichtigkeit der Realisierung der Zulaufstrecke in Deutschland: "Im Gleichschritt dazu muss auch die europäische Verkehrspolitik Meter machen - insbesondere bei den Maßnahmen zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Dass sich der Deutsche Bundestag nun endlich in absehbarer Zeit mit konkreten Vorschlägen für den Nordzulauf in Bayern befassen wird, ist ein wichtiges Signal für die gesamte Verlagerungspolitik am Brennerkorridor."

220 des 230 km langen Tunnelsystems ausgebrochen

Insgesamt 220 des 230 Kilometer langen Tunnelsystems waren nunmehr ausgebrochen. Letzte Vortriebsarbeiten gab es laut BBT SE im Baulos "H53 Pfons-Brenner" noch in Richtung Innsbruck, wo sich die Tunnelbohrmaschinen "Wilma" und "Olga" durch das Gestein graben würden.

Der seit 2007 im Bau befindliche Brennerbasistunnel ist ein reiner Zugtunnel mit einer Gesamtlänge von 64 Kilometern, der zwischen der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck und dem Südtiroler Franzensfeste in Italien - hier auf 55 Kilometern - verläuft. Er gilt als Kernelement der neuen Bahnverbindung von München nach Verona. Nach der im Jahr 2031 geplanten Fertigstellung und voraussichtlich im Jahr darauf stattfindenden Inbetriebnahme wird der für Güter- und Personenzüge vorgesehene Tunnel laut ÖBB die "längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt" sein. Güterzüge sollen mit bis zu 160 km/h und Personenzüge mit bis zu 250 km/h durch den Tunnel fahren können. Die Strecke soll somit in 25 statt 80 Minuten bewältigt werden können. Als Gesamtprojektkosten wurden 10,5 Mrd. Euro veranschlagt.