WKÖ fordert Politik zu Hürdenabbau auf © APA - Austria Presse Agentur

Bis 2035 stehen laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) rund 56.600 Arbeitgeberunternehmen mit fast 780.000 Arbeitsplätzen zur Übergabe an. Jede erfolgreiche Nachfolge sichere 14 Arbeitsplätze und 1,1 Mio. Euro direkte Wertschöpfung pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag der WKÖ und des Wirtschaftsministeriums. Wirtschaftskammer und Ministerium setzen sich daher für bessere Rahmenbedingungen bei Betriebsnachfolgen ein.

"Wir können auf kein funktionierendes Unternehmen verzichten. Wenn Betriebe keine Nachfolge finden, stehen Arbeitsplätze, Know-how und Wertschöpfung auf dem Spiel", sagt WKÖ-Präsidentin Martha Schultz in einer WKÖ-Aussendung am Samstag. Laut WKÖ zeigt die Studie, dass mit der Fortführung bestehender Betriebe "Know-how, eingespielte Teams, Kundenbeziehungen und regionale Wirtschaftsstrukturen" erhalten bleiben. Mehr als die Hälfte der Nachfolger steigere nach der Übernahme die Investitionen.

Laut Studienergebnissen brauche es bessere steuerliche und finanzielle Rahmenbedingungen, heißt es weiter. 70 Prozent der potenziellen Übergeber sehen die Finanzierung durch Nachfolger als Herausforderung, 66 Prozent die steuerliche Belastung. Unter den Nachfolgern nennen rund 60 Prozent die steuerliche Belastung bzw. den Investitionsbedarf als Hürde. Bei entgeltlichen Übernahmen müsse neben den Investitionen auch der Kaufpreis finanziert werden.

WKÖ mit Forderungen an die Politik

"Die Politik muss Hürden abbauen, die erfolgreichen Betriebsübergaben im Weg stehen", so Schultz weiter. "Deshalb braucht es steuerliche Entlastungen, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und einfachere Verfahren." Die WKÖ fordert die Steigerung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne von 7.300 auf 45.000 Euro, einen Sondersteuersatz von 20 Prozent und die Möglichkeit, steuerliche Begünstigungen zu kombinieren.

Ein steuerlicher Beteiligungsfreibetrag für privates Kapital von bis zu 100.000 Euro über fünf Jahre soll laut Kammer Investitionen in Betriebsübernahmen erleichtern. Auch Investitionsanreize sollen verbessert werden. Durch einen österreichweit einheitlichen digitalen One-Stop-Shop für die Gründung im Zuge der Betriebsübernahme sollen Meldungen und Verfahren gebündelt werden. Die geplante Verlängerung der sogenannten Grace Period auf fünf Jahre soll auch auf familienexterne Nachfolgen ausgeweitet werden.

Hattmannsdorfer: Lebenswerk darf nicht wegen Bürokratie enden

Mit dem KMU-Paket habe die Regierung bereits konkrete Entlastungen auf den Weg gebracht, heißt es in der Aussendung. Mit der gemeinsamen Nachfolge-Taskforce von Ministerium und WKÖ würden zudem gezielt Hürden bei Betriebsübergaben angegangen. Die WKÖ verweist in ihrer Aussendung auf ein umfassendes Service-Angebot bei Übergaben von Betrieben, etwa auf das Anfang des Jahres vorgestellte Weiterbildungsprogramm "NextGen4Austria" oder auf den "Nachfolgeherbst".

Mit der Novelle der Gewerbeordnung folge nun der nächste Schritt, heißt es weiter. "Ein Lebenswerk darf nicht wegen bürokratischen Hürden enden", so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmansdorfer. "Mit unserem KMU-Paket stärken wir unsere Klein- und Mittelbetriebe: Wir schaffen mehr Zeit fürs Geschäft, mehr Spielraum für Investitionen und erleichtern jetzt die Betriebsübernahme."