WKO-Präsident Dr. Christoph Leitl im Porträt

NEW BUSINESS - NR. 1, FEBRUAR 2013
Dr. Christoph Leitl © Cityfoto.at

Gemeinsam sind wir stärker.

Mit dem frühen Tod seines Vaters und der damit einhergehenden Übernahme des elterlichen Betriebs wurde aus einem einfachen Studenten der 68er-Generation ein versierter Geschäftsmann. Dass dies nicht unbedingt so geplant war, betont Dr. Christoph Leitl mehrfach. Es war viel mehr sein persönliches Interesse, das ihn in die eingeschlagene Richtung drehte.
Sein Interesse beschränkte sich allerdings nicht allein auf das Unternehmertum, was sein Einschlag in die oberös­terreichische Landespolitik, wo er fünf Jahre im Landtag und zehn Jahre in der Landesregierung verbrachte, verdeut­licht. Eine kritische Zeit, die große Teile der Industrie in schwere Turbulenzen gebracht hat. Mit Christoph Leitl wurde Oberösterreich zum Erfolgsmodell, ein Erfolg, der den mittlerweile schon 13 Jahre in der österreichischen Wirtschaft und Sozialpartnerschaft Tätigen noch immer anspornt.
Seine Aktivitäten im elterlichen Betrieb beschränkt der einstige Geschäftsführer heute auf jene im Aufsichtsrat und seine Firmenanteile gehören auch bereits seinem Sohn, der sich schon im Ausland bewähren konnte. Ein gutes Beispiel für Leitls gesunde Einstellung zur Nachfolgefrage. Sein Motto: „Nicht aufhören, wenn man selber alt genug ist, sondern dann übergeben, wenn der Nachfolger alt genug ist.“

Wichtige Erfahrungen
Es gibt immer wieder Punkte im Leben eines Menschen, die einen das eigene Handeln und Tun überdenken lassen. Im Falle Leitls war dies die an ihm versuchte Entführung 1979, der er durch eine „Rolle rückwärts und einen Sprung über einen sechs Meter hohen Abhang“ nur ziemlich verletzt entkommen konnte. Eine traumatische Erfahrung, die ihn über 30 Jahre danach noch prägt: „Wer jemals eine Grenzerfahrung gemacht hat, weiß, dass alles an einem seidenen Faden hängt, sieht das Leben anders, denkt anders und handelt anders.“
Eine weitere persönlich höchst eindrucksvolle Erfahrung sammelte er im Zuge einer Ehrenauszeichnung. Sein Vater hatte im Zweiten Weltkrieg in Russ­land gekämpft, wurde von einem Panzer abgeschossen und hat als Einziger schwer verletzt überlebt. Jedes Mal, wenn er mit dem Flugzeug über den westlichen Teil Russlands fliegt, denkt er daran und an die höchste Auszeichnung des Landes, die er von den Russen verliehen bekommen hatte, nämlich den Russischen Freundschaftsorden. Er zeigt sich berührt von der positiven Veränderung der beiden Länder, deren Vorgenerationen sich feindlich gegenüberstanden und heute Freundschaft, Zusammen­arbeit und herzliche Verbundenheit ­dominiert.

Die Bedeutung der WKO
Nicht alle sind sich immer einig, wie sich die Tätigkeiten der Wirtschaftskammer nun tatsächlich auf Österreichs Unternehmen auswirken. Für den WKO-Präsidenten gibt es hier allerdings keinerlei Zweifel: „Europa redet von Rezession. Wir von Wachstum.“ Nur ein Indikator, der die Leistungen der WKO hervorheben soll.
Auf die Frage nach dem oftmals mit der WKO in Zusammenhang gebrachten Begriff der „Zwangsmitgliedschaft“ reagiert Präsident Leitl mit folgenden Worten: „Wir sind doch auch keine ,Zwangsstaatsbürger‘ und keine ,Zwangssteuerzahler‘. Wieso soll gerade in der WKO von Zwang die Rede sein? Das, was wir haben, ist eine gesetzliche Mitgliedschaft, die Solidarität gibt und nur Solidarität gibt Stärke. Wenn große, mittlere und kleine Betriebe zusammenhalten, haben alle einen Vorteil – gemeinsam sind wir stärker!“ Für Dr. Leitl mit ein Grund für den EU-Beitritt Kroatiens am 1. Juli 2013. Österreich ist nämlich der wichtigste Auslandsinvestor in Kroatien, es liege also in unserem ­Interesse, dass Kroatien in den Regel­mechanismus der EU eingebunden ist. Außerdem haben wir durch die Instabilität am Balkan – dem letzten Krieg ­Europas – gespürt, wie wichtig deren Stabilität für Gesamteuropa ist. Im Übrigen habe Österreich mit den Kroaten bereits als ­Bestandteil der Monarchie beste Erfahrungen gemacht.

Mehr Steuern für die Bürokratie
Erbschafts- und Schenkungssteuern vertreiben mögliche Investoren, daher ist Christoph Leitl absolut dagegen und wird mit aller Kraft dagegen kämpfen. Er akzeptierte es, mit 1. Jänner 2013 die Besserverdiener mit einem Solidaropfer zu versehen, auch eine Vermögenszuwachssteuer, den Entfall von Spekulationsfristen und heute noch die Finanztransaktionssteuer, distanziert sich aber vehement von einer weiteren Besteuerung der Betriebe und Haushalte. Seiner Meinung nach sollten die vom Staat benötig­ten finanziellen Mittel aus der Bürokratie kommen, um Investoren ­einzuladen anstatt zu verjagen und Leistungsträger zu motivieren statt zu frustrieren.

Ausblick
Mit dem Abschluss des Jahres 2012 zeigt sich Präsident Leitl insgesamt sehr zufrieden. „Wir konnten wieder ein Wachstum der Wirtschaft verzeichnen, beschäftigen so viele Personen wie nie zuvor und sind Europameister in der Berufsausbildung. Man vertraut unserem Land. Die Bonität ist gut, wenn wir auch weiter daran arbeiten müssen. Wir dürfen nicht in Selbstzufriedenheit verfallen und immer kritisch danach streben, ständig besser zu werden. Österreich muss trotz seines Exportrekords 2012 stärker in jenen Regionen präsent werden, wo die wirtschaftliche Entwicklung besonders ­dynamisch ist.“
Für Präsident Leitl wird 2013 das Jahr einer wichtigen Weichenstellung für Österreich. Dieses Jahr soll sich nämlich herausstellen, ob wir im Jahr 2020 sieben fette oder sieben magere Jahre hinter uns haben werden.

Zehn Fragen an Dr. Christoph Leitl.

Was wollten Sie als Kind werden?
Förster. Weil die Natur und Idylle des Waldes eine schöne Vorstellung für mich darstellte.

Was bedeutet Glück für Sie?
Zufrieden und dankbar zu sein.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Die Bücher von Helmut Schmidt, Hans Küng und Georg Markus waren meine Weihnachtslektüre.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
Miteinander statt gegeneinander!
Leben und leben lassen!

Was motiviert Sie tagtäglich aufzustehen?
Die Freude an den Herausforderungen des Tages.

Wenn Sie ein Tier wären, welches wäre das und ­warum?
Widder. Mein Sternzeichen – und es passt ganz gut zu mir.

Welches war Ihr bisher größter Erfolg?
Dass es mir gelungen ist, Geradlinigkeit und Unabhängigkeit zu bewahren.

Gibt es etwas, das Sie schon immer mal ausprobieren wollten, sich bis dato aber nie getraut haben?
Ja. Einen Weltraumflug machen.

Was war das Verrückteste, das Sie jemals in Ihrem Leben gemacht haben?
Als sehr junger Bursch mit dem Rad vom Pöstlingberg herunter nach Linz zu fahren, und das in fünf Minuten.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Als mich meine zehn Monate alte Enkeltochter Theresa spontan in die Nase gebissen hat.

Zur Person
Seit 2000 bekleidet Dr. Christoph Leitl das Amt des Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich und ist somit Österreichs oberster Wirtschaftsvertreter. Er studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz. 1973 wurde er zum Dr. rer. soc. oec. promoviert. Als Anwalt der kleinen und mittleren Betriebe in Österreich, aber auch in Europa verfolgt Christoph Leitl einen klaren Kurs zum Wohle der Wirtschaft. Unter seiner Leitung etablierte sich auch der österreichweit bekannte WKO-Slogan „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“. Bereits kurz nach seiner Bestellung zum Obmann der Versicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) im Jänner 2004 gelangen ihm deutliche Verbesserungen für die Wirtschaftstreibenden durchzusetzen, die vor allem die soziale Absicherung von Kleinunternehmern verbesserten.

(BO)