Betriebsrat stößt bei Laudamotion auf Widerstände © APA - Austria Presse Agentur

Nach der Betriebsratswahl bei der Ryanair-Tochter Laudamotion am Mittwoch wird sich die neue Belegschaftsvertretung schon in den kommenden Tagen konstituieren, erklärte die Gewerkschaft vida am Abend. Die Wahlbeteiligung sei mit rund einem Drittel der gut 400 Wahlberechtigten über den Erwartungen gelegen, hieß es in einer Aussendung.

Alle abgegebenen Stimmen entfielen auf die - einzige - kandidierende Liste Laudamotion Crew Workcouncil, die aus 16 Mitarbeitern besteht. Mit der Durchführung der Betriebsratswahl habe sich das Recht durchgesetzt: "Die Strategie der Angstmache ist gescheitert", so der Vorsitzende des vida-Fachbereichs Luftfahrt, Daniel Liebhart. Die Laudamotion-Führung hatte die Wahl im Vorfeld für "nichtig" erklärt.

Die Neuwahl des Betriebsrats sorgte bei Laudamotion für Aufregung. Die Mitarbeiter der Ryanair-Tochter waren für Mittwoch dazu aufgerufen, eine neue Vertretung zu wählen, doch das Unternehmen erklärte die Wahl bereits im Vorfeld für "nichtig" und kündigte an, Bordpersonal künftig in eine Leiharbeitsfirma auszulagern.

Wie die Pressesprecherin von Laudamotion auf APA-Anfrage erklärte, werden zukünftige Piloten und Flugbegleiter in Wien von einem noch zu gründenden externen Vertragsanbieter befristet angestellt. Das Dienstverhältnis unterliege unverändert österreichischem Recht und dem Laudamotion-Kollektivvertrag, betonte die Sprecherin. Das Luftfahrtportal "AviationNet" berichtete zuvor, dass neue Mitarbeiter als Leiharbeiter der irischen Ryanair-Tochter Crewlink irischem Recht unterliegen sollen.

Die Unternehmensführung von Laudamotion sieht die anstehende Betriebsratswahl als ungültig an und zweifelt an der Rechtskonformität. Der Wahlvorstand habe keine explizite Beschäftigungsgruppe festgelegt und keine aktuelle Personalliste der Laudamotion GmbH erhalten. "Daher ist diese Wahl nichtig", so die Sprecherin.

Der Billigflieger verwies darauf, dass im November vier weitere Flugzeuge nach Wien kommen - mit 40 neuen Piloten und 80 neuen Flugbegleitern. "Auch unsere neuesten Teammitglieder sollten an dieser BR-Wahl teilnehmen dürfen, was aktuell nicht sichergestellt werden kann", erklärte die Sprecherin. "Lauda behindert keinesfalls die BR-Wahl, sondern möchte lediglich sicherstellen, dass diese transparent, demokratisch und fair stattfinden kann und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daran teilnehmen können."

Eine Kandidatin für den neuen Betriebsrat ist übrigens jene Flugbegleiterin, die einen Monat nach ihrem Rücktritt als Betriebsrätin gekündigt wurde. Laut österreichischem Arbeitsrecht fallen Betriebsratsmitglieder jedoch bis drei Monate nach Erlöschen der Mitgliedschaft unter Kündigungsschutz. Die Gewerkschaft vida klagte deshalb vor dem Arbeitsgericht auf Wiedereinstellung. Der bisherige Laudamotion-Betriebsrat war im August geschlossen zurückgetreten, wie kürzlich bekannt wurde.

Die Gewerkschaft vida sowie der Pilotenverband ACA üben indessen scharfe Kritik am Vorgehen der Ryanair-Tochter Laudamotion. "In diesem Unternehmen, das sich hier mittelalterlicher Methoden bedient, mangelt es offensichtlich an Demokratieverständnis", erklärte Gewerkschafter Daniel Liebhart. Die ACA warnt vor einem Versuch, österreichisches Arbeitsrecht zu unterwandern. Laut vida wird das Ergebnis der Betriebsratswahl am Mittwochabend (gegen 18 Uhr) erwartet. Es kandidierte eine einzige Liste, die aus 16 Mitarbeitern besteht.

"Angst und Druck auf das Personal auszuüben und es über Lohn- und Sozialdumping-Konstrukte zu beschäftigten, sind seit langem bekannte Managementwerkzeuge von Ryanair, die jetzt offenbar auch bei Lauda immer deutlicher Einzug halten", resümierte Liebhart. "Derzeit tun sich bei Ryanair Gräben auf, die eines Unternehmens, das in Österreich tätig ist, nicht würdig sind", so der Gewerkschafter.

Die Austrian Cockpit Association, in dem österreichische Verkehrspiloten zusammengeschlossen sind, findet die Entwicklungen um Laudamotion besorgniserregend. Es seien vier Mitarbeiter gekündigt worden, weil sie ihre teils sicherheitsrelevanten Zusatzfunktionen zurücklegten. Wegen der neuen Leiharbeitskonstruktion befürchtet die ACA Strafversetzungen.

Laut ACA erhalten Laudamotion-Mitarbeiter, sobald eine höhere Anzahl an Krankenstandstagen im System registriert wird, einen Brief vom Chef. Die Pilotenvereinigung warnt: "Als PilotIn nicht 100%ig gesund in ein Passagierflugzeug zu steigen, erachten wir als ein erhebliches Risiko für die Flugsicherheit." Die österreichischen Behörden seien gefordert zu prüfen, ob die Vorgangsweise der Lauda-Geschäftsleitung den geltenden Gesetzen entspricht.

In der Tat prüft die Aufsichtsbehörde derzeit die Fehlerkultur bei der österreichischen Ryanair-Tochter. Die Austro Control habe eine sogenannte "Just-Culture-Untersuchung" eingeleitet, berichtete der "Standard" im September. Dabei gehe es um die Frage, ob Mitarbeiter Fehler nicht mehr melden, weil sie damit rechnen müssen, für gemeldete Mängel belangt zu werden. Die Prüfung könne drei Monate oder länger dauern. Im schlimmsten Fall könnte der Entzug der Fluglizenz drohen.