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NEW BUSINESS 7/2015

COVERTHEMA SEPTEMBER 2015 | NEW BUSINESS 41 Das bedeutet, dass immerhin über 98 Prozent der Unternehmen über die Runden kommen. Knapp die Hälfte der Insolvenzen entfällt auf Unternehmen, die nicht älter als fünf Jahre sind. Für Hans-Georg Kantner ist das keine Überraschung: „Das entspricht ja auch der Lebenserfahrung, dass jeder sich erst einmal beweisen und behaupten muss. Wem das gelungen ist, der ist mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Insolvenzgefahr konfrontiert.“ Insolvenz kein Stigma mehr In den vergangenen 20 Jahren hat die Insolvenz schrittweise ihr Stigma verloren. Langsam spricht sich herum, dass es ein Leben nach der Insolvenz gibt, dass unternehmerisches Scheitern einen Lerneffekt hat und dass eine Restrukturierung ein Unternehmen schlagkräftiger und leistungsfähiger machen kann. Gescheiterte Unternehmer erfahren meist die Solidarität ihrer Gläubiger, denen in vielen Fällen ein momentaner Geldverlust leichter verschmerzbar erscheint als der Verlust eines langjährigen Kunden. „Wenn alles nichts hilft, dann ist daher ein gut überlegter und vorbereiteter Insolvenzantrag immer noch der weitaus bessere Weg als das ‚Weiterwursteln‘. Unternehmer, die selbst frühzeitig die unliebsamen Schritte setzen, beweisen Handlungsfähigkeit und können damit nicht selten ihre Gläubiger und Mitarbeiter bei der Stange halten. Immer hin münden mehr als 30 Prozent aller Insolvenzverfahren in Österreich in einem Sanierungsplan. Es geht irgend wie weiter, man muss sich nur rechtzeitig darum bemühen“, fasst der KSV1870-Experte Hans-Georg Kantner die Situation zusammen. MW INFO-BOX Ausblick: Insolvenzen 1. Halbjahr 2015 Die Unternehmensinsolvenzen sanken im ersten Halbjahr um acht Prozent, der Trend zu kleineren Fällen setzt sich laut KSV1870 fort. Die mangels Masse nicht eröffneten Verfahren gingen sogar um 13,7 Prozent zurück. Insgesamt gab es 2.534 Unternehmensinsolvenzen. Die Passiva sind über 24 Prozent geringer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, was den Trend zu kleineren Insolvenzfällen sehr deutlich untermauert. Die Rückgänge bei den Insolvenzen fi nden in allen Bundesländern statt, am stärksten in Vorarlberg und Tirol, am schwächsten in Wien und Niederösterreich. Die insgesamt meisten Insolvenzen gibt es in der Baubranche samt ihren Nebengewerben. Auch die Gastronomie und die Branche der unternehmensbezogenen Dienstleistungen fi nden sich auf den vordersten Plätzen.


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