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NEW BUSINESS 7/2015

COVERTHEMA Mehr als die Hälfte der insolventen Unternehmen scheiterten 2014 aufgrund unternehmensinterner Verluste. Auch der Mangel an Eigenkapital spielte dabei eine bedeutende Rolle. „... immer noch der bessere Weg als das ‚Weiterwursteln‘.“ U m nicht in die Falle der „unter nehmensinternen Verluste“ zu gehen, ist es notwendig, sein Unternehmen mit ausreichend Eigenkapital auszustatten. Die Zeiten des Wachstums auf Kredit sind vorbei. Nicht weil der Kredit so teuer wäre, ganz im Gegenteil. Das Wachstum ist nicht da. Und da lässt sich nur mit Eigenkapital vernünftig wirtschaften. Die Investoren gibt es, nur die Unternehmer müssen noch lernen, mit Eigenkapital zu arbeiten und mit Investoren zu kommunizieren. Es ist viel leichter, Geldgeber mittels eines guten, Optimismus verbreitenden Businessplans zu überzeugen, als mithilfe einer Kapitalspritze die Pleite abwenden zu wollen. Gründe für das Aus »Geschäftsmodelle altern heute viel schneller als noch vor einer Generation. Da bedarf es der Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen und danach zu handeln, das Szepter nicht aus der Hand zu geben und selbst die nötigen Schritte zu setzen.« Dr. Hans-Georg Kantner, KSV1870 Insolvenzexperte KSV1870 Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner setzt sich mit den Gründen des Scheiterns seit vielen Jahren auseinander und weiß: „Es zeigt sich, dass auch schon länger tätige Unternehmer oft keinen „Plan B“ haben bzw. sich überhaupt zu wenig mit der Zukunft auseinandersetzen. Geschäftsmodelle altern heute viel schneller als noch vor einer Generation. Da bedarf es der Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen und danach zu 40 NEW BUSINESS | SEPTEMBER 2015 handeln, das Szepter nicht aus der Hand zu geben und selbst die nötigen Schritte zu setzen.“ Zu den „externen Auslösern“ (15 Prozent) zählen etwa Kreditrestriktionen der Hausbank, Änderungen rechtlicher Rahmenbedingungen oder verschärfter Wettbewerb. Fehlendes Debitorenmanagement und Dominoeffekte bei Großinsolvenzen gehören weitgehend der Vergangenheit an. Seit der Pleite des „Konsum“ im Jahr 1995 weiß man, dass es keine unsinkbaren Schiffe gibt, und Unternehmer haben daraus gelernt. So sind die Insolvenzen als Folge einer Lieferanten oder Abnehmerinsolvenz mit insgesamt zwei Prozent ausgesprochen selten. Der Preis der Selbstständigkeit In kaum einem europäischen Land gibt es so wenige Unternehmen wie in Österreich. Auch wenn sich schon einiges gebessert hat, hat Österreich immer noch zu wenige Selbstständige, die Innovationen vorantreiben, Arbeits plätze schaffen und Steuern zahlen. Österreich verzeichnet über die Jahre eine Insolvenzquote von ca. 1,3 Prozent aller aktiven Unternehmen. Fotos: Fotolia/shock, KSV1870


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