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NEW BUSINESS 7/2015

COVERTHEMA 30 NEW BUSINESS | SEPTEMBER 2015 Fotos: isiQiri Richard Ebner hat so etwas wie eine Bilder buch-Karriere hinter sich. Nach dem Abschluss des Studiums der Technischen Physik an der TU Wien samt anschließendem Doktoratsstudium folgt der Berufseinstieg im internationalen Vertrieb. Vorläufi g letzter Höhepunkt: Ebner wird Geschäftsführer, verantwortlich für 500 Mitarbeiter. Doch trotz des berufl ichen Erfolges will der heute 49-Jährige im Grunde seines Herzens immer etwas anderes: eines Tages selbst Unternehmer werden. „Ich habe mir gesagt: Was ich für jemand anderen machen kann, das kann ich doch auch für mich selbst tun,“ so Ebner. Doch um sich perfekt auf das Abenteuer „Gründung“ vorzubereiten, heuert der in Steyr geborene Oberösterreicher erst einmal bei einem Business-Inkubator an und wird Berater für Technologie-Start-ups. Ebner im Rückblick: „Ich konnte mir dort das gesamte Insiderwissen aneignen und viele Kontakte knüpfen.“ Zwei Physiker fi nden sich Blenden wir zurück in das Jahr 2007. Ein Forschungsprojekt an der Ludwig-Maximilians Universität in München und an der Johannes Kepler Universität in Linz steht in den Startlöchern. Und schon bald ist auch Robert Koeppe, federführend bei dem Projekt und Physiker so wie Ebner, klar: Mit seiner Arbeit auf dem Gebiet der optischen Sensortechnologie hat er einen vielversprechenden Fisch an der Angel. Bereits Mitte 2008 hat auch Koeppe beschlossen, mit seiner Erfi ndung ein Unternehmen aus der Taufe heben zu wollen. Allein ein Partner mit dem nötigen betriebswirtschaftlichen Know-how fehlt damals noch. Richtig geraten: Erfi nder Koeppe und Technologie-Berater Ebner fi nden sich und beschließen, mit einem neuen Unternehmen gemeinsame Sache zu machen. Und auch ein Firmenname, der markenrechtlich keine Probleme macht, ist rasch gefunden: Die Wahl fällt auf den Kunstnamen „isiQiri“. Speziell der Buchstabe „Q“ steht seither für Qualität und krönt gleichermaßen Produkte (Q-Frame, Q-Screen, Q-Target) und die diesen zugrunde liegende Folie, die als Q-Foil längst für Furore sorgt. Im Prinzip handelt es sich dabei um die Kombination aus einem optoelektronischen Kunststoff (vergleichbar dem bekannten Plexiglas), einer aufgebrachten Elektronik beziehungsweise Sensor-Technologie und einem smarten Auslese-Algorithmus. Am Ende erkennt die 80 mal 60 Zentimeter große Kunststofffolie, vereinfacht gesagt, wo Licht und wo Schatten auf sie trifft. Man kann sie daher wie ein Auge verwenden, das zwar nicht so gut sieht wie ein richtiges Auge, aber immer noch gut genug, um zahlreiche interessante Anwendungen zu realisieren. Wie oft bei vergleichbaren Start-ups beginnt das Nachdenken über die Anwendungsmöglichkeiten der mittlerweile patentierten Technologie allerdings erst im zweiten Schritt. Richard Ebner: „Wir mussten dabei natürlich auch Sackgassen und Umwege gehen. Aber letztlich hat sich herausgestellt, dass interaktive Projektionsleinwände, großfl ächige Multitouch-Anwendungen, interaktive Zielscheiben und ähnliche Dinge unsere ersten Märkte sein werden.“ Handwerk (42 Prozent), gefolgt vom Handel (27 Prozent) sowie Information und Consulting (18 Prozent). Am häu- gsten wählten die Gründer die Rechtsform des nicht eingetragenen Einzelunternehmers (76 Prozent). Für eine GmbH entschieden sich knapp 14 Prozent. Für das Gesamtjahr 2015 geht die Wirtschaftskammer von einer Steigerung der Gründungen von 28.211 im Jahr 2014 auf hochgerechnet 28.541 aus. Österreichs Neo-Unternehmen hätten die höchste Überlebensrate in Europa. Nach fünf Jahren existierten sieben von zehn Betrieben noch in Gründerhand. Der Europaschnitt liege bei 50 Prozent. Die Hauptmotivation, sich selbstständig zu machen, liegt laut Leitl im „Sinnerlebnis“. „Der reguläre Weg von neun von zehn Gründern ist: Sie haben Ideen, die sie unabhängig umsetzen wollen. Sie wollen selbst Partnerschaften nden und nicht beim Vorgesetzten anklopfen. Dafür nehmen sie ein Risiko in Kauf.“ BO ERFOLGSSTORY Wie ein österreichisches Start-up mit einer tollen Technologie und einem früh geknüpften Netzwerk international erfolgreich ist.


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