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Bye Bye Cash?

NEW BUSINESS Export - NB EXPORT 2/2016
Der globale Markt für Non-Cash-Zahlungen ist durch ein anhaltendes Wachstum geprägt. © Pixabay

Das Volumen für digitale Zahlungen nimmt weltweit weiter zu. FinTechs und die steigende Nachfrage nach digitalen Lösungen kurbeln den Bedarf an digitalen Finanzprodukten und -services an.

Die Wachstumsrate für digitale Zahlungen soll laut dem „World Payments Report 2016“ von Capgemini und BNP Paribas erstmals auf voraussichtlich zehn Prozent und damit auf 426,3 Milliarden Transaktionen ansteigen. Damit wird der bisherige Rekord von 8,9 Prozent (2014; 387,3 Milliarden Transaktionen) übertroffen. Der Anstieg des digitalen Zahlungsverkehrs wird vor allem durch ein starkes Wirtschaftswachstum in wichtigen Schwellenländern, verbesserte Sicherheitsmaßnahmen wie EMV (ein technischer Standard für intelligente Zahlungskarten sowie Zahlungsterminals und Geldautomaten, die diese akzeptieren) und Biometrie sowie Regierungsinitiativen, die die Förderung elektronischer Zahlungen in Entwicklungsmärkten zum Ziel haben, beschleunigt. Hinzu kommen steigende Kosten für Barzahlungen. Die Entwicklung hin zum digitalen Zahlungsverkehr wird darüber hinaus durch eine zunehmende Nachfrage nach nahtlosen und sicheren digitalen Transaktionsdiensten, insbesondere vonseiten der Geschäftskunden, gestützt. Dieser Bedarf spornt Transaktionsbanken zu höheren Investments sowie Banken zu einer stärkeren Zusammenarbeit untereinander und/oder mit FinTechs an. All dies, um neue Dienstleistungen schneller auf den Markt zu bringen und einen Mehrwert für digitale Transaktionen bieten zu können, der sich von anderen Angeboten abhebt.

Entwicklungsmärkte ­wachsen schneller
Der digitale Zahlungsverkehr wuchs länder­übergreifend. Entwicklungsmärkte hatten dabei mit 16,7 Prozent höhere Wachstumsraten als etablierte Märkte (6,0 Prozent). Letztere stehen jedoch für 70,9 Prozent der weltweiten digitalen Zahlungstransaktionen. China überholte erstmals Großbritannien sowie Südkorea bei der Zahl der digitalen Transaktionen und steht damit an vierter Stelle der zehn weltweit größten Märkte nach den USA, der Eurozone und Brasilien. Seit 2010 sind Karten das digitale Bezahlinstrument mit dem höchsten Wachstum, während die Nutzung von Schecks immer weiter abnimmt. Sofortzahlungen haben als Alternative zu Bargeld- und Scheckzahlungen ein großes Potenzial, um das Wachstum digitaler Transaktionen weiter voranzutreiben. Doch hier müssen die Beteiligten weiter informiert, mehr Zusatzleistungen zur Verfügung gestellt und die Infrastrukturen bei Händlern und Unternehmen weiter ausgebaut werden.

„Digitales Denken“ der Banken ­gefordert
Das Kernthema des WPR 2016 sind die Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich aus Finanztransaktionen ergeben. „Die grundlegenden Erwartungen der Finanzabteilungen von Unternehmen, wie beispielsweise Kontrolle, Transparenz über die Bargeldbestände und Risikomanagement, haben sich über die letzten Jahre nicht verändert. Doch erwarten Geschäftskunden von Banken zunehmend, dass sie ihre Support-Prozesse wie Accountmanagement, Datenanalyse, Compliance-Tracking sowie Betrugserkennung und Prävention digitalisieren“, sagt Jean-François Denis, Deputy Global Head of Cash Management bei BNP Paribas. „Das zwingt Banken, ihren Wandel in Richtung Digitalisierung noch weiter zu forcieren und einen kollaborativeren Ansatz zu wählen.“
Hinzu kommt, dass der Umsatz mit Finanztransaktionen durch zahlreiche interne und externe Faktoren unter Druck gerät: niedrige Gebühren und Zinserträge, die unter Druck stehenden Währungswechselgebühren und das Aufkommen von FinTechs. Letztere sind bekannt dafür, ein besseres Kundenerlebnis durch fortschrittliche Technologien zu liefern und so die Erwartungen der Kunden zu verändern und zu erhöhen.
Markus Nenninger, Head of Payments bei Capgemini in Deutschland: „Sowohl FinTechs als auch Innovation-Labs im Bankensektor schaffen neue Voraussetzungen, um eine innovative und verbesserte Customer-Journey zu entwickeln. Es kommt nun entscheidend auf die Zusammensetzung neuer Partnerschaften und Kooperationen an, die das Ziel haben, so innovative digitale Lösungen wie möglich zu schaffen und diese dem Kunden genau im richtigen Moment seiner Customer-Journey anzubieten.“
Einige Banken haben bereits damit begonnen, einen Digital-first-Ansatz zu adaptieren. So sehen 79 Prozent aller Führungskräfte im Bankensektor FinTechs als potenzielle Partner, so der WPR 2016. Banken könnten jedoch Innovationen im Bereich Finanztransaktionen noch weiter fördern, wenn sie ihre Systeme über Application Programming Interfaces (APIs) öffnen und die überarbeitete Zahlungsdienstrichtlinie PSD II[2] stärker für sich nutzen würden.

Rechtliches Umfeld übt ­weiter Druck auf Banken aus
Zahlreiche bestehende und neue Gesetzesini­tiativen haben die regulatorische Komplexität für Banken erhöht. In Sachen Zahlungsverkehr zeichnen sich nach Aussage des WPR zwei ­zentrale Entwicklungen ab: zum einen die vermehrte ­Nutzung von Technologien; und zum anderen ein Ansatz, der von verschiedenen Regulatoren verwendet wird, um Unternehmen eine geschützte Umgebung für die ­Entwicklung von finanztechnischen Innovationen zu ­bieten. Dazu gehören das Project Innovate der britischen Finanzmarktaufsichtsbehörden mit einer Regulatory Sandbox sowie der Singularity Innovation Hub in den ­Niederlanden.

Bankwesen in Österreich: Studie und Lösungen zur Digitalisierungsflaute
Wer als Geldinstitut sein Beratungsangebot rechtzeitig um lückenlose digitale Strategien erweitert, ist klar im Vorteil – und kann sich jetzt dabei helfen lassen.
Der persönliche Bankberater ist auch im Informationszeitalter ein wesentliches Merkmal gelungener Kundenbeziehungen. Laut einer von baningo, einer unabhängigen, bankübergreifenden Online-Plattform, beauftragten Studie ist Bankberatung für 72 Prozent der Befragten wichtig oder sehr wichtig. Doch der moderne Bankkunde verlangt zudem nach schnell und unkompliziert verfügbaren digitalen Serviceleistungen.
Die Umfrage – durchgeführt von einem Trendforschungsinstitut – ergab, dass 64 Prozent aller Befragten online Profile und Kontaktdaten von Bankberatern finden möchten. 52 Prozent würden eigene Bankdokumente zur Vorbereitung der ersten persönlichen Beratung hochladen, und 42 Prozent würden Blogbeiträge und Artikel zu Finanzthemen lesen. 37 Prozent zeigten sich dem Thema Videotelefonie als Beratungslösung gegenüber aufgeschlossen. Über 70 Prozent der Befragten wollen jedoch auch klassisch in der Filiale beraten werden. Hier zeigt sich ein deutlicher Trend zum ROPO-Effekt (research online, purchase offline).

Der Bankkunde 3.0 ist überall
Der heutige Bankkunde wird nicht erst in der Bankfiliale auf Finanzprodukte aufmerksam, sondern online. Zu Hause, in der U-Bahn oder in der Arbeit, wo er online nach Lösungen auf seine Finanzfragen sucht. Die klassische Bankfiliale und der Bankberater sind jedoch kaum online zugänglich, was entweder zu Frustra­tion (und keinem Abschluss) beim Kunden führt oder ihn direkt zum Mitbewerber umleitet, wenn dieser Online­services anbietet. „Die Filiale ums Eck bedient zeitgemäßes Informationsverhalten einfach nicht, weshalb Banken neue Wege einschlagen müssen, um mit Kunden in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Eine hohe Filialdichte wird künftig nicht mehr notwendig sein“, erläutert Max Nedjelik, Geschäftsführer von baningo.

Hybrides Banking – alle Wege führen zur Bank
Das Kernergebnis der neuen Banking-Studie ist die spezielle Digitalisierungserfordernis heimischer Banken. Digitale Informationsbeschaffung und darauf folgende persönliche Beratung führen zu einem Medienbruch, den es rasch durch innovative Services abzufedern gilt. Die wohl tragfähigste Lösung liegt in hybridem Banking, mit Online- und Offline-Angeboten: Das bedeutet für Banken, dass die persönliche Beratung auch in der digitalen Omni-Channel-Strategie einen wichtigen Platz einnimmt und durch Online- und Social Touchpoints erweitert wird. (BO)