Westbahn fährt ab Dezember auch Wiener Hauptbahnhof an

19. Mai 2017
Westbahn-Chef Erich Forster ist zufrieden © APA - Austria Presse Agentur

Die mehrheitlich private Westbahn von Hans Peter Haselsteiner und Erhard Grossnigg legt im Wettbewerb mit den ÖBB auf der lukrativen Westbahnstrecke zwischen Salzburg und Wien ein Schäuferl nach. Die Westbahn, an der auch die französische Staatsbahn SNCF Anteile hält, erhöht die Frequenz auf der Strecke durch den Einsatz von mehr Zuggarnituren, deren Zahl von sieben auf 17 deutlich steigt.

Neu ist auch, dass die Westbahn in Wien nicht nur den Westbahnhof sondern ab dem Winterfahrplan ab 10. Dezember auch den Hauptbahnhof ansteuert. Aus dem Stundentakt zwischen Wien und Salzburg wird so ein Halbstundentakt - abwechselnd fährt alle 30 Minuten ein Westbahn-Zug vom Hauptbahnhof und vom Westbahnhof. Ab 1. Juni plant die Westbahn auch einen Shuttle-Dienst zwischen dem Westbahnhof, Wien Meidling und Wien Hauptbahnhof.

"Das ist ein wesentlicher Schritt in der Attraktivität der Westbahn", sagte Westbahn-Chef Erich Forster vor Journalisten in Anwesenheit von Westbahn-Hauptanteilseigner Haselsteiner (49,9 Prozent über Haselsteiner Familienprivatstiftung) und -Miteigner Grossnigg (32,7 Prozent über Augusta Holding AG mit Sitz in der Schweiz) am Freitag bei einer gemeinsamen Zugfahrt mit einer neuen Garnitur zwischen Wien und St. Pölten. Insgesamt gibt es dann ab Wien mehr als 60 Westbahn-Zugfahrten pro Tag.

"Aha, hier die neue Tür, da der neue Teppich", freute sich Haselsteiner bei seiner Zuginspektion. In die neuen Zuggarnituren, die vom Schweizer Hersteller Stadler kommen und den Namen "Kiss 2" tragen, werden 130 Mio. Euro investiert. Vier Züge sind bisher ausgeliefert worden, der Rest soll bis August folgen. Die Zulassungen sollen bald vorhanden sein.

"Wegen der hohen Anfangsverluste wurde unseren Shareholdern zu Beginn eine hohe Leidensfähigkeit abverlangt", sagte Forster nach nunmehr fünfeinhalb Jahren Westbahn auf der Westbahnstrecke. 2015 stand erstmals ein Plus vor dem Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT). Für den Jahresabschluss 2016, der noch nicht veröffentlicht wurde, stellt das Unternehmen auch erstmals ein positives Ergebnis vor Steuern (EBT) in Aussicht. Zwischen 2012 und 2016 verdoppelte sich der Umsatz von 26,5 Mio. auf 56, 6 Mio. Euro. Die Kundenzufriedenheit ist laut Forster über die vergangenen Jahre gestiegen.

Hans Peter Haselsteiner strebt mit der Westbahn "eine gewisse Flächendeckung" an. Die größte Kraft setze man weiter in IC-Verbindungen. Dann folgt der Nahverkehr, bei dem man sich praktisch bei allen künftigen Vergaben um den Zuschlag bemühen werde, wie Haselsteiner bei einer gemeinsamen Zugfahrt vor Journalisten ankündigte. Erst als Drittes folgen für ihn Fernverkehrsstrecken.

Zu die IC-Verbindungen, die die Westbahn auf der lukrativen Westbahnstrecke derzeit zwischen Wien und Salzburg betreibt, sagte Haselsteiner, dass die Westrecke länger ist als nur bis Salzburg. Die Westbahn würde er auch gerne bis Innsbruck fahren sehen. "Aber die Strecken müssen ausgeschrieben werden", sagte der Westbahn-Hauptanteilseigner. Das werde nicht vor 2019 der Fall sein. "Danach hoffen wir auf Zwischenschritte." Ab 2023 müssten die Mitgliedsstaaten gemäß der EU-Liberalisierung im Bahnverkehr mehr Wettbewerb zulassen. Jedenfalls würde die Westbahn laut ihrem Haupteigentümer gerne mehr IC-"Lasteselverkehr" schultern.

"Wir senden das Signal, dass wir weniger öffentliche Mittel für den Streckenbetrieb brauchen, was die ÖBB nicht gerne sieht", so Haselsteiner. Das gelte nicht nur für IC-Verbindungen, sondern eben auch beim regionalen Nahverkehr wie beispielsweise in Vorarlberg, wo die Westbahn gerne den S-Bahn-Nahverkehr übernehmen würde.

Auf der Weststrecke würde sich Haselsteiner langfristig einen 20-Minuten-Takt wünschen, der mit den ÖBB gemeinsam umgesetzt werden solle. Die Weichen auch auf die Südstrecke zu stellen, sei eine "strategische Entscheidung", für die es ebenso Ausschreibungen benötige.

Haselsteiner hat sich bei der Pressezugfahrt mit einer neuen Westbahngarnitur auch einmal mehr als "altmodischer Unternehmer" geoutet. Die Begründung: Die Westbahn kaufe ihre Züge und lease sie nicht. Somit sei auch der Schuldenstand der Westbahn in Höhe von 300 Mio. Euro nicht fatal: Verkaufe man die Züge, kämen mehr als 180 Mio. Euro herein, so Haselsteiner.

Haselsteiner und auch der zweitgrößte Westbahn-Mitegentümer Erhard Grossnig fahren übrigens auch privat mit dem Zug, wie sie auf Nachfrage betonten. Und sie fahren auch nicht nur Westbahn, sondern ebenso ÖBB - laut Haselsteiner, wenn es sein muss; also abseits der lukrativen Westbahnstrecke. Die beiden sehr wohlhabenden Erfolgsunternehmer haben sogar eine ÖBB-Vorteilskarte - und zwar für Senioren, wie sie unumwunden sagten und Grossnig sogar durch das Vorzeigen seiner Karte bewies.