RBI ist eine Milliarde fauler Kredite los

10. August 2017
RBI-Chef Johann Strobl © APA - Austria Presse Agentur

Die börsennotierte Raiffeisen Bank international (RBI) baut ihre faulen Kredite schneller ab als gedacht. Ende Juni 2017 hatte sie um eine Milliarde weniger an Problemkrediten auf den Büchern als Ende 2016. Fast 470 Millionen Euro davon wurden verkauft. Das hat die Gewinne im Halbjahr gepusht. Die Kreditrisikoentwicklung für die nächste Zeit wird viel entspannter gesehen.

Dass es für 2017 erstmals seit 2013 wieder eine Dividende gibt, ist damit noch wahrscheinlicher geworden. Ein Großvorhaben der nächsten Monate ist ein neuerlicher Anlauf für den zur heurigen Jahresmitte geplatzten Börsengang der Polentochter Polbank in Warschau. Dafür hat die RBI jetzt von der polnischen Aufsicht Zeit bis Mai 2018 bekommen.

Es gilt folgende Vorgabe: Entweder 15 Prozent der Polbank an die Börse zu bringen und zugleich ein Zweitlisting der RBI in Warschau - oder bis zu einem Viertel der Polbank-Aktien zu verkaufen. Im heurigen Juni hatte allerdings auch ein versuchter Verkauf von 15 Prozent ans Warschauer Börsenpublikum nicht geklappt.

"Wir wollen der Verpflichtung nachkommen, die Bank an die Warschauer Börse zu bringen, aber es muss für uns auch ein attraktives Umfeld sein", sagte RBI-Chef Johann Strobl. Der polnische Regulator habe die Bedingungen nicht verschärft, wurde heute betont, es gebe aber einen neuen Termin. Es laufen weiter Gespräche mit den polnischen Behörden.

Der Zeitraum bis Mai 2018 sei sehr knapp, es werde kein leichter Weg, sagt der RBI-Vorstand. Vom Marktumfeld her wünscht sich die RBI in Polen ein Ende der politischen Debatten um Schweizer-Franken-Kredite und um Bankensteuern. In der eigenen Hand habe Raiffeisen das laufende Kostensenkungsprogramm, um die Polbank rentabler zu machen: Im Jahresvergleich sperrten schon 62 Filialen zu, mehr als 300 Jobs wurden gestrichen. Insgesamt sollen 850 bis 950 Arbeitsplätze bei der Polbank dem Rotstift zum Opfer fallen.

Im ersten Halbjahr 2017 weist die RBI für die polnische Tochter einen Nettogewinn von 25 Mio. Euro aus, obwohl Restrukturierungskosten anfielen.

Mit den Zahlen in der Gruppe ist Strobl zufrieden: "Unser Halbjahresergebnis ist gut, besser als wir erwartet haben." Der Nettogewinn von 587 Mio. Euro (Vorjahr/adaptiert um RZB-Fusion: 236 Mio. Euro) sei "hervorragend", auch wenn man bedenke, was man erwarten durfte. Vor allem der Rückgang der Kreditvorsorgen auf 76 Mio. Euro (Vorjahr: 403 Mio. Euro) schlug zu Buche. Das zweite Quartal war mit 367 Mio. Euro Nettogewinn überhaupt das beste in der Geschichte der Bank. Im zweiten Halbjahr wurde das Kernkapital gestärkt.

Besonders gut findet das Management die Ergebnisse aus Ungarn und der Ukraine. Kroatien war vom Sonderfall Agrokor und damit entsprechenden Kreditabschreibungen in Mitleidenschaft gezogen. Mit 241 Millionen Gewinn nach Steuern, ein Zuwachs um fast 50 Prozent, ist die Russland-Bank weiterhin Cash Cow des Konzerns. Russland bleibe für Raiffeisen ein wichtiger Konzernbestandteil und wichtiger Markt, sagte Strobl. Von den Sanktionen gegen Russland sei die Bank aus aktueller Sicht "materiell nicht direkt essenziell betroffen", da man aus Russland selber Unternehmen und Privatkunden finanziere. Als Financier der Exportwirtschaft habe man die Entwicklung freilich zu spüren bekommen.