Mitterlehner präsentierte neue Lehrlingsoffensive

08. März 2017
Mitterlehner will auf Digitalisierung reagieren © APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat am Mittwoch die neue Lehrlingsoffensive der Bundesregierung präsentiert. Bis 2020 sollen 54 Lehrberufe auf die Anforderungen der Digitalisierung umgestellt werden. Die Internationalisierung von Lehrlingen wird durch Geld für Sprachkurse im Ausland gefördert. Mit den Anpassungen bei den Lehrberufen werde auf die neuen Rahmenbedingungen reagiert.

"Wenn wir das nicht tun, wird uns die Digitalisierung Arbeitsplätze kosten", warnte Mitterlehner bei einem Besuch der Lehrwerkstätten im Siemens-Konzern in Wien. Das duale Ausbildungssystem bringe Österreich große Vorteile im Wettbewerb, weil dadurch ausgezeichnete Fachkräfte herangebildet würden. Da andere Länder jedoch ihre Ausbildungssysteme verbessern, müsse auch Österreich nachrüsten.

Schon das Lehrberufspaket 2017 bringe acht neue bzw. modernisierte Berufsbilder, wie den neuen Schwerpunkt "Digitaler Verkauf" im Lehrberuf Einzelhandel, oder verstärkten Einsatz von Diagnosecomputern bei Reifen- und Vulkanisationstechnik. Einige Lehrberufe mit Digitalschwerpunkt, die bis zum Jahr 2020 umgestellt werden, sind Informationstechnologie, Chemieverfahrenstechnik, Fahrradmechatronik, Installations- und Gebäudetechnik, Karosseriebautechnik und E-Commerce-Kaufmann bzw. -Kauffrau.

Lehrlinge können sich auch über finanzielle Unterstützung freuen: Ab 1. Juli werden die vollen Kosten für alle Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung übernommen. Bisher war die Rückerstattung mit 250 Euro gedeckelt, in einigen Berufen, insbesondere in technischen Berufen, fallen jedoch Kurskosten bis zu 800 Euro an. Weiters wird die Internationalisierung gefördert: Sprachkurse von Lehrlingen im Ausland werden kostenlos. Bis zu zwei Wochen Sprachaufenthalt werden gefördert. Damit soll die Zahl der beruflichen Auslandsaufenthalte von derzeit 750 pro Jahr weiter erhöht werden.

Siemens-Österreich-Generaldirektor Wolfgang Hesoun hob insbesondere ein eigenes Lehrlingsausbildungsprogramm bei Siemens für Gehörlose heraus. Diese werden beim Erlernen eines Lehrberufs von einer Gehörlosen-Dolmetscherin unterstützt.

In ganz Österreich bilden derzeit über 28.000 Lehrbetriebe fast 107.000 Lehrlinge aus. Jährlich kommen fast 33.000 neue Lehrlinge im ersten Jahr dazu. Beim AMS sind derzeit 3.391 offene Lehrstellen sofort verfügbar. In betriebliche Lehrstellenförderung und AMS-Mittel werden rund 361 Millionen Euro investiert.

Bei Siemens in Österreich werden derzeit rund 400 Lehrlinge ausgebildet, davon sind rund 20 Prozent weiblich. Angeboten werden 20 verschiedene Lehrberufe, besonders beliebt ist die Ausbildung zum Mechatroniker. Bei den 17 technischen Lehrberufen liegt die Quote der weiblichen Lehrlinge bei 12 Prozent. Nach dreieinhalb bis vier Jahren Lehre haben 90 Prozent der Siemens-Lehrlinge auch die Matura gemacht. Um das Erreichen des Mindestlohns müssen sich die Lehrabsolventen des Unternehmens keine Sorge machen: Das Einstiegsgehalt für ausgebildete Mechatroniker liegt bei rund 2.400 Euro brutto.