Bei Niki drohen Betriebsversammlungen in Hauptflugzeiten

11. August 2017
Über Kampfmaßnahmen könnte abgestimmt werden © APA - Austria Presse Agentur

Bei der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki laufen derzeit Kollektivvertragsverhandlungen - sollte es keine Einigung geben, drohen Betriebsversammlungen. Diese könnten laut Niki-Betriebsrat Stefan Tankovits "in der Hauptflugzeit stattfinden", um möglichst vielen Mitarbeitern die Teilnahme zu ermöglichen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Mittwoch angesetzt.

Bei den Piloten liege die Bezahlung um 30 Prozent unter jener der Air-Berlin-Piloten, sagte Tankovits am Freitag im Gespräch mit der APA. Aber auch bei Flugbegleiterinnen mit längeren Dienstzeiten gebe es erhebliche Unterschiede.

Sollte es in der Verhandlungsrunde am Mittwoch keine Einigung geben, werden im Anschluss an den Standorten Wien und Düsseldorf Betriebsversammlungen abgehalten, "wo man über Kampfmaßnahmen abstimmen wird", so Tankovits. Da der Betriebsrat möglichst vielen Mitarbeitern die Teilnahme ermöglichen wolle, würden die Versammlungen "leider in der Hauptflugzeit stattfinden".

Für die Piloten lägen von der Geschäftsführung Vorschläge vor, die eine Anhebung der Entlohnung um fünf Prozent bringen würden. Damit bliebe aber zu Air Berlin weiter ein großer Abstand. Auch zur AUA, wo die Pilotengehälter nach Schätzung von Tankovits im Schnitt um etwa 20 Prozent höher liegen als bei Niki, bliebe der Abstand hoch. Tankovits fürchtet eine starke Abwanderung seiner Piloten. Bei Flugbegleitern gebe es bisher eine Anpassung für die ersten acht Dienstjahre ("da kommen wir langsam in die Nähe"), aber bei längerer Tätigkeit sähen die Kollektivverträge keine entsprechende Anpassung mehr vor.

Auslöser für die Unzufriedenheit des Betriebsrates ist die Auslagerung eines Teils des Flugbetriebes und die Stationierung von Flugzeugen in Deutschland. Denn dort muss das fliegende Personal vor Arbeitsbeginn nach Deutschland eingeflogen werden. Betroffene Mitarbeiter hätten dadurch im Monat bis zu 30 Arbeitsstunden mehr. Vor allem diese Anreisezeiten würden nicht entsprechend abgegolten und führten zu Lohneinbußen - ganz abgesehen davon, dass die Betroffenen viel weniger Zeit für die Familie und das Privatleben hätten.

Dazu komme, dass das fliegende Personal sehr unzufrieden damit sei, wie die Veränderungen bei Niki "überfallsartig hereingekommen" seien und dass das geplante Joint Venture nicht zustandegekommen sei. Das mache es noch schwieriger, die aktuelle Bezahlung zu akzeptieren.

Von Air-Berlin-Eigentümer Etihad gelte weiter die "offizielle Version", dass Niki ausgegliedert wird und ein "Stand-Alone" vorbereitet, sich also auf eine Existenz als selbstständige Fluglinie mit der Konzentration auf Charterflüge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorbereitet. "Das kann bis Jahresende passieren", schätzt Tankovits. Es gelte auch, Verträge für so ein neues Geschäftsmodell vorzubereiten. Am Ende soll Niki 21 Flugzeuge haben, von denen etwa zwei Drittel in Deutschland stationiert sind, vier bis fünf in Wien und bis zu vier in Zürich. Seit Juli gibt es bereits den Standort Düsseldorf, die Stationierung von Flugzeugen in Zürich sei auf Herbst verschoben worden.

In Düsseldorf habe es bereits 250 Neueinstellungen gegeben, so Tankovits, dabei geht es vor allem um Flugbegleiter. Das habe auch nicht zu Kündigungen in Österreich geführt, da die Fluktuation ohnehin sehr hoch sei. Da sowohl Eurowings als auch AUA Flugbegleiter suchen, sei es nicht schwer, in Wien einen neuen Job zu finden. Viele würden aber auch "umsatteln" und das Berufsfeld verlassen.

Piloten wurden keine nach Deutschland stationiert, allerdings ist geplant, dass etwa 40 Kopiloten ihren Standort in Düsseldorf haben werden. Bis auf eine "Handvoll" Freiwilliger werde es aber nicht zu Umsiedlungen aus Wien kommen. In Zürich wiederum ist keine Stationierung von fliegendem Personal geplant, dort sollen Mitarbeiter für den Dienst eingeflogen werden. Seit Jänner haben die Niki-Mitarbeiter eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2019.